
Potentiell gefährliche Tiere
Aus aktuellem Anlass sehen wir uns in der Pflicht, zu dem Vorfall in Mülheim/Ruhr Stellung zu beziehen.
"Giftschlangen ab 16 Jahren"
Damit wir uns richtig verstehen, dies fordern wir nicht, sondern so sieht die Gesetzeslage momentan in NRW aus.
Nach dem Ausbruch einer Kobra in Mülheim werden Stimmen laut, die ein generelles Haltungsverbot fordern. Politiker sprechen zu den Medien, ob dafür allerdings entsprechendes Fachwissen der Materie besteht, ist in einigen Fällen jedoch fraglich.
Es ist Wahlkampf und es geht um Wählerstimmen.
Klären wir doch mal die Fakten
Ein 19 jähriger Mühlheimer kaufte sich auf einer Reptilienbörse eine potenziell gefährliche Schlange und ein paar Tage später entweicht dieses Tier.
Hatte der junge Mann die nötige Sachkenntnis um dieses Tier artgerecht und sicher unterzubringen?
Woher hatte er die Kenntnisse und wie (lange) hat er sich auf das Tier vorbereitet?
Hat der Verkäufer nachgefragt, ob der Jugendliche die nötigen Kenntnisse hat, oder ging es ihm nur ums Geld?
Die erste Frage kann man wohl erst einmal verneinen, aber was ist mit dem Verkäufer dieses Tieres?
Trägt er Mitverantwortung an diesem Ergebnis?
Bevor wir hier zu schnell verurteilen sollten auch der Verkäufer (sofern ermittelbar) als auch der Börsenbetreiber dazu kommen sich zu äußern.
Auf vielen großen Reptilienbörsen gibt es bereits entsprechende, harte Auflagen an die Verkäufer. Auch der namhafte Einzelhandel verkauft mittlerweile nur noch potenziell gefährliche Arten an Personen, welche die nötige Sachkenntnis vorweisen können oder haben Giftschlangen komplett aus dem Bestand genommen, wie Norbert Zajac der Presse kürzlich mitteilte.
Dr. Markus Baur der Reptilienauffangstation München bestätigte bereits am 27. Februar 2010 auf einer Informationstagung des ASPE-Instituts zum Thema Haltung potenziell gefährlicher Tiere, dass eine artgerechte und sichere Unterbringung durchaus möglich sei.
Allerdings sollten die dafür bewährten Regeln strikt eingehalten werden.
Auch die DGHT fordert seit ca. 15 Jahren entsprechende Maßnahmen. In Zusammenarbeit mit dem VDA wurde ja bereits seit langem der Sachkundenachweis mit Zusatzqualifikation “gefährliche Tiere“ ausgearbeitet.
Dass jetzt reagiert werden muss, steht fest. Ein generelles Haltungsverbot sei allerdings nicht angebracht. Das bestätigte auch Silvia Macina von der DGHT.
Eine illegale Haltung würde dadurch nur gefördert und der Halter und Bürger unnötig kriminalisiert werden.
Dass wir eine Regelung zum Thema Haltung potenziell gefährlicher Arten benötigen steht fest. Allerdings sollten doch diesmal Fachleute zu Rate gezogen werden, damit es nicht wieder zu einem unausgereiftem, schnell beschlossenem Gesetz kommt, wie in Hessen.
Wie diese Regelung auszusehen hat, muss natürlich erst einmal ausgearbeitet werden. Schnellschüsse seitens der Politik sind hier fehl am Platze. Das Ablegen einer Entsprechenden Prüfung, die Abnahme der Terrarienanlage durch einen Amtsveterinär oder anderen behördlich bestellten Fachleuten, eine Meldepflicht sowie regelmäßige unangemeldete Kontrollen wären beispielsweise Möglichkeiten.
Dass so eine Prüfung natürlich mit Kosten verbunden ist, ist selbstverständlich. Aber vielleicht schrecken genau diese Kosten jene Personen ab, die sich mit einer Giftschlange nur profilieren wollen um im Freundeskreis wieder cool zu sein.
Wir als Terrarianer, die es mit dem Tier- und Artenschutz wirklich ernst meinen sollten genau jetzt in diesen schweren Zeiten zusammenhalten, um gemeinsam der Öffentlichkeit und der Politik zeigen, dass wir uns von Haltern distanzieren, die potenziell gefährliche Arten nur Halten um damit anzugeben.
Florian Giese (Mitglied der DGHT & AG Schlangen)
geschrieben im März 2010
Weiterführende Informationen
Gefahrenvermeidung bei der Gifttierhaltung aus der Sicht der Fachverbände
Reptilienauffangstation München
Serumdepot Berlin e.V.
ASPE-Institut GmbH, Veranstaltung Gefahrtiere
DGHT
Florian Häselbarth
Lizzards-Inn
Reptilienfachforum
TerrarisTisch
Waranwelt
TerraFans-Gruppe: Haltung von ”Potentiell gefährlichen Tieren” und Gesetze