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potentiell gefährliche Tiere

Gefahrenvermeidung bei der Gifttierhaltung aus Sicht der Fachverbände

BNA, VDA und die DGHT, das Serumdepot Berlin und noch viele andere Fachleute bieten seit nun 15 Jahren Lösungsvorschläge zur Bundeseinheitlichen Regelung zur Haltung von Gifttieren an.

Aus urheberrechtlichen Gründen werden wir hier nur Auszüge und Zusammenfassungen der jeweiligen Absätze veröffentlichen. Damit wollen wir jedoch sehr wohl aufzeigen, dass sich die Welt der Herpetologen und verantwortungsbewussten Terrarianer ein sehr genaues Bild über den Umgang mit diesen Tieren macht.

Quelle: Sachkundenachweis für Terraristik des BNA, VDA und der DGHT .



Auszüge aus dem Sachkundenachweis "Terraristik"

Gifttierhaltung verlangt ein besonders hohes Maß an persönlicher Verantwortung und die Eignung des Tierhalters für eine solche Aufgabe. Die Haltung von giftigen Tieren erfordert neben der tiergerechten Haltung auch besondere Vorkehrungen zur Vermeidung der möglichen Gefahren, die vom Umgang mit diesen Tieren ausgehen. Diese Gefahren betreffen in erster Linie den Halter selbst, aber auch die im Umfeld der Schlangenhaltung lebenden Mitmenschen, wie Familienmitglieder oder Besucher.

Der Terrianer, der Giftschlangen pflegen möchte, muss über das erforderliche Fachwissen verfügen und schon mehrjährige Erfahrung im Umgang mit ungiftigen Schlangen haben.

Giftschlangen müssen besonders sicher verwahrt werden.
Terrarien mit Giftschlangen sollen nicht in einem von Menschen bewohnten Raum stehen.

Sachkundige Halter verfügen über einen separaten Raum, den Unbefugte nicht eigenmächtig betreten können.

Türen und Fenster müssen so dicht schließen, dass ein Entkommen eventuell aus dem Terrarien entwichener Schlangen – auch Jungschlangennicht möglich ist.
Fenster, Abluftöffnungen o.ä. sich durch Drahtgaze zu sichern.
Die Räume sollten ebenso einbruchssicher sein.

Vor dem Terrarium sollte ein Abstand von 100-150cm gewährleistet sein, um einer angreifenden Giftschlange ausweichen zu können.

Keine nicht kontrollierbaren Zwischenräume.
Fußböden und Möbel sollten keine Schlupfwinkel bieten.

Warnschild deutlich am Gifttierraum.

Unter Umständen auch zu zweit arbeiten, um bei einem Unfall mit Ohnmacht reagieren zu können. Zweite Person steht im Hintergrund bereit.

Genaueste Bezeichnung des Tieres am Terrarium mit Hinweis auf das jeweilige Toxin.
Angabe der Anzahl der in den Terrarien lebenden Tieren.

Notrufnummern und eigenes Telefon im Raum.

Im Gifttierraum eigenes Besteck zum Hantieren, ebenso möglichst ein separater Wasserzugang zum Reinigen der Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände, um zu verhindern, dass man dafür den Raum verlassen müsste.

Aufgeräumte, glatte Arbeitsflächen zum Hantieren.
In unmittelbarer Nähe Abwehr- und Fanggeräte.
Ausreichende Beleuchtung des Raumes.

Giftschlangenterrarien müssen solide gebaut sein, ausbruchssicher und verschließbar sein.

Beleuchtung, Heizung, Lüftungsöffnungen dürfen keine Schwachstellen hinsichtlich Stabilität und Dichtigkeit aufweisen.

Besonders mit Giftschlangen darf nicht mehr als erforderlich Hantiert werden.

Keine Routine.
Arbeiten bei voller Konzentration und Ruhe.

Eigentliche selbstverständlich, aber der Vollständigkeithalber trotzdem nochmal erwähnt:
Vermeidung jeglichen Konsums von wahrnehmungsverändernden Rauschmitteln! Kein Alkohol!



Seit 15 Jahren...

… arbeiten verschiedene Fachverbände in Zusammenarbeit mit Tierärzten und spezialisierten Haltern solche Regelwerke aus, um sie plakativ als Empfehlung für die Haltung von Tieren verschiedenster Arten machbar und durchführbar zu realisieren.

Die Haltung der Tiere soll vor allem Spaß machen. Doch geht das nur, wenn man auch die Bedürfnisse des zu haltenden Tieres achtet und den Schutz des Menschen berücksichtigt.

Wenn solche Richtlinien im Umgang mit lebenden Wirbeltieren bundeseinheitlich verbindlich durchgesetzt werden könnten, bräuchten eine ganze Menge von Wirbeltieren, die z.B. als Spontankauf in die heimischen Wohnzimmer gefunden haben weniger leiden.

Zudem würde der Mensch sich gegenüber der angetretenen Verantwortung auch wieder reifer erweisen, wenn die gesamte Gemeinschaft dies berücksichtigen und umsetzen würde.



Gedankensplitter:

Abschließend noch ein Gedankensplitter zum Vorfall in Mülheim/Ruhr:
Aktuell werden sehr viele Stimmen laut, die nach einem Verbot der Haltung exotischer Tiere rufen.

Dass jedoch seit nunmehr 15 Jahren von den Terrianern selber Richtlinien ausgearbeitet und immer wieder verworfen werden, fällt hier unter den Tisch. Die Begründung ist in der Regel “[..] nicht bundeseinheitlich durchführbar, weil Ländersache [..]”.

Dass es “neue” Gesetze geben soll, welche die Haltung von Amts wegen reglementieren sollen, welche fach- und sachkundig sehr fragwürdig erscheinen, ist damit sehr grotesk und nicht wirklich nachvollziehbar für den Bürger, wessen Interessen unsere Regierung vertreten wollte.
Es erinnert auch ein wenig an die Schildbürgerstreiche ;)

Essen, März 2010
Andreas Appenheimer (Mitglied der DGHT & AG-Warane)



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